Pressemittleiung vom 20.01. zu den Zuständen im provisorischen Zeltlager am Deutschen Platz Platz

+++ Geflüchtete Menschen aus der Unterkunft klagen über Mängel & Versäumnisse Seitens der Verwaltung +++ wenig warmes Wasser, mangelhafte medizinische Versorgung & Konflikte mit dem Sicherheitspersonal +++ Unterbringung in Zelten kann keine Lösung sein +++

Am Montag, den 18.1.2016 fand nahe dem Zeltlager am Deutschen Platz eine Solidaritäts Kundgebung statt. Zirka 80 Menschen folgten dem Aufruf von „Refugees Welcome- Leipzig“ um „Angemessene Unterbringungsbedingungen für Geflüchtete“ einzufordern. „Ich bin mit meiner Familie vor Bomben geflohen. Hier in Deutschland werde ich seit Wochen, Monaten hin und her geschoben.“ so ein Geflüchteter aus Syrien. Nach Aufenthalten in verschiedenen Städten und der Erstaufnahme in Sachsen ist er nun mit Frau und Kindern in Leipzig gelandet. Über die Unterbringung in Zelten ist er entsetzt. „Dies ist vielleicht eine Variante für ein paar Tage, aber nicht für Wochen und Monate“.

Aufgerufen wurde zur Kundgebung, da es an den Tagen zuvor von BewohnerInnen des Lagers massive Beschwerden über die dortigen Zustände gab. „Die Menschen wollen keine Almosen oder Charity von der Bevölkerung, sie möchten lediglich angemessenen Wohnraum und grundsätzliche Menschenrechte erfüllt sehen. Die Kundgebung stellte eine Chance dar, Transparenz über die Lage im Lager zu schaffen und Missstände klar zu benennen.“ so Toni Grün, Sprecher der Leipziger „Initiative Refugees Welcome“.

*Konkret angesprochene Probleme im Lager sind:*

Es gibt, entgegen der Darstellung der Stadtverwaltung, eindeutige Probleme mit der Warmwasserversorgung. Bereits nach wenigen Nutzungen seien die Warmwasserspeicher leer. Auch sind 13 Duschen für etwa 400 Menschen, inklusiver vieler Familien, sehr wenig. Regelmäßiges Waschen und Duschen stellt so für die meisten ein großes Problem dar.

Große Defizite soll es auch bei der medizinischen Versorgung der BewohnerInnen geben. So wurden 3 Fälle von Kindern geschildert, welche eine geschützte Unterbringung – etwa in einer Wohnung – ärztlich empfohlen wurden ist. Berichtet wurden außerdem, dass sie Ärzte in der Umgebung teilweise weigerten, Personen mehrfach zu behandeln obwohl Menschen gültige Behandlungsscheine vorweisen konnten.

Die Wärmeregulierung innerhalb der Unterkunft wurde als belastend beschrieben. Die Heizung würde von Zeit zu Zeit ausfallen, wenn sie denn funktioniert würde sie manche Räume sehr stark erhitzen, andere wiederrum bleiben kalt. Die Menschen sind so häufigen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Auch dass der Zugang zu Sanitäranlagen nur durchs das überqueren des Lagerinnenhofs möglich ist, steigert das Risiko auf Erkrankungen und ist vor allem mit kleinen Kindern problematisch. Krankheiten werden durch das sehr enge Zusammenleben vieler Menschen schnell übertragen.

Es wurden viele Probleme mit dem eingesetzten Sicherheitspersonal (Securitys) geschildert. Am Sonntagabend wurde nach Aussagen von BewohnerInnen sogar Privaträume durchsucht. Grund dafür waren wohl Flugblätter für die Kundgebung am Montag und für ein regelmäßiges Treff geflüchteter Menschen im Leipziger Osten. Die Securitys verunsichern Menschen im Lager wohl regelmäßig, in dem sie ihnen drohen sie würden bei Regelverstößen oder Beschwerden über die Situation im Lager abgeschoben. Auch soll es in Einzelfällen zu körperlichen Übergriffen durch Mitarbeiter der Security gekommen sein.

Die Nahrungsmittel und Essensituation wurde als problematisch geschildert. So müsse man häufig lange anstehen und auch Kinder müssten sich ihr Essen selbst ander Essensausgabe abholen, es sei nicht möglich Essen an anderen Orten als der Essensausgabe zu konsumieren. Auch über die Qualität gab es Beschwerden, viele BewohnerInnen würden sich gerne Essen von außerhalb besorgen und dies im Lager zu sich nehmen, dies wird durch die Security jedoch regelmäßig unterbunden.

„Wir halten es für wichtig diese Zustände zu dokumentieren um schnellstmöglich Verbesserungen herbeizuführen und die Unterbringung in Zelten oder Leichtbauhallen im allgemeinen zu problematisieren“ so Toni Grün. „Dies ist keine Kritik an jenen Menschen welche bereits Unterstützung für die Menschen im Lager leisten, umso mehr jedoch an den den Zuständen im Lager und der aktuellen Asylpolitik.“

Das Bündnis fordert die Stadtverwaltung und den Betreiber auf, sich zu den angesprochenen Vorwürfen zu positionieren und Verbesserungen herbeizuführen. Toni Grün: „Ein Fakt bleibt; Zeltlager können auf Dauer keiner menschenwürdigen Unterbringung entsprechen. Wir fordern daher die Abschaffung der Massenunterkünnfte, insbesondere in Zelten, und die Unterbringung der Menschen in eigenen Wohnungen.“